Attack on Titan: The Last Attack, JP 2024 • 145 Min • Regie: Yûichirô Hayashi • Mit den deutschen Sitmmen von: Max Felder, Christian Zeiger, Nicole Hannack, Florian Halm • FSK: ab 16 Jahren • Kinostart: 25.02.2025
Vor gut einem Jahr habe ich mir einen Account bei Crunchyroll erstellt – extra, um die finale Staffel von "Attack on Titan" gemütlich zu Hause auf dem Beamer zu schauen. Am 25. Februar 2025 erscheint nun ein Film in den Kinos und später auf Crunchyroll, der mit 145 Minuten genau so lang ist wie die beiden letzten Spezialepisoden, mit denen die Animeserie im November 2023 abgeschlossen wurde. Die Laufzeit ist kein Zufall – der Film besteht nahezu eins zu eins aus den Szenen des Animes. Dennoch fühlt sich das Schauen etwas flüssiger an, da die Geschichte in einem durchgehenden Format präsentiert wird. Die tiefen moralischen Bedeutungsebenen und aufopfernden Kämpfe ziehen den Zuschauer in ihren Bann.
Unter der Regie von Yûichirô Hayashi und produziert vom Studio MAPPA, bietet der Film eine beeindruckende visuelle Umsetzung der finalen Schlachten zwischen Titanen und Menschen. Ehemaliger Protagonist Eren Jaeger hat die ultimative Macht der Titanen entfesselt hat, um alle zu vernichten, die Eldia bedrohen. Seine ehemaligen Freunde, unter anderem Armin Arlert und Mikasa Ackerman, versuchen verzweifelt, ihn aufzuhalten und die Welt vor der Zerstörung zu bewahren.
Ohne den Anime oder die vorangegangenen Filme gesehen zu haben, ist es nahezu unmöglich, dem Film zu folgen. Die komplexen Beziehungen zwischen den Hauptcharakteren und die geopolitische Situation rund um die Insel Paradis sind zu tiefgreifend, als dass der Film sich die Mühe machen würde, neue Zuschauer an die Hand zu nehmen. Und das ist auch gut so, denn eine Einführung hätte viel Tempo herausgenommen. Wie sollte man in kurzer Zeit auch die Bedeutung des "Rumorens" erklären? Riesige, hautlose Titanen marschieren willenlos in Reih und Glied durch Länder und Städte und hinterlassen nichts als Tod und Zerstörung.
Weil die ersten Eindrücke bereits beim Schauen der Serie verarbeitet wurden, schweifen die Gedanken beim zweiten Durchgang der Szenen schnell zu den dahinterliegenden moralischen Fragen ab. Die Metaebene stößt viele Fragen an: Was würde jemanden dazu bewegen, eine Massenvernichtungswaffe einzusetzen? Denn seien wir ehrlich – das Rumoren ist schlimmer als 20 Atombomben. Und doch wollen Erens Freunde ihn bis zum Ende davon überzeugen, wieder "vernünftig" zu werden.
Achtung Spoiler: Bei all der Zerstörung stellt sich zwangsläufig die Frage: Warum glaubt Eren, dass die Auslöschung aller Nationen außerhalb der Insel Paradis der beste Weg sei?
Auch wenn es sein Ziel war aufgehalten zu werden, scheint es doch zumindest angebracht darüber nachzudenken, ob es noch einen Zwischenweg zwischen dem Mord an 90% aller Menschen und der Sterilisation oder der Euthanasie aller Eldia gibt. Durch die Tötung Ymirs verschwinden schließlich alle Titanenkräfte, was die Eldia nicht mehr bedrohlich macht. Das wäre doch ein guter Start für Friedensverhandlungen.
Das haben sich anscheinend auch die Macher des Films gedacht. Als besonderes Highlight für die Fans, gibt es eine neue Post-Credit-Szene, die die Hauptcharaktere 100 Jahre nach den Geschehnissen als Jugendliche zeigt, in einer Stadt, die einer modernen westliche Stadt ähnelt. Sie sitzen im Kino, haben gerade den Film gesehen und unterhalten sich über die Bedeutung. Ganz sicher sind sie sich jedoch nicht und können sich zumindest darauf einigen, dass es doch schön war, den Film gemeinsam gesehen zu haben – ein sympathisches Augenzwinkern des Regisseurs.
Und das kann ich nur unterstreichen. Wer sich aber noch gut an die letzten beiden Episoden erinnern kann, für den wirkt der Film wohl eher wie ein knapp zweieinhalb Stunden Déjà-vu. Für alle anderen, die die Geschichte der Eldia durch die Filme kennen lernen wollen, oder die Geschehnisse des Finales mit Freunden teilen möchten, ist Attack on Titan: The Last Attack eine volle Empfehlung.